Seit Jahreswechsel steht uns Tiroler Weinbauern ein Nah-Infrarot Testgerät (NIR) in der LLA Imst für Weinanalysen zur Verfügung – ein wertvolles, flottes High-Tech-Werkzeug zur Qualitätssicherung. Dies auf Initiative unseres Tarrenzer Winzerkollegen und TWV-Vorstands Edgar Tangl, die letztlich in einer Kooperation mit der lk Tirol sowie dem Land Tirol fruchtete. Um Euch zu zeigen, wie das funktioniert, habe ich fünf meiner 2020er Weine analysieren lassen. Schon drei Stunden nach Abgabe hatte ich ein Mail mit den relevanten Analysewerten.
Das NIR Gerät arbeitet mit modernster Analysetechnik (Nahinfrarot-Spektroskopie). An der landwirtschaftlichen Lehranstalt Imst (LLA) soll es (mit offiziellem Start Februar) vorerst der Analyse von Tiroler Schnäpsen, Likören, Wein etc. dienen. Zur exakten Kalibrierung der für uns relevanten oenologischen Daten wurden vorigen Dezember 50 Weine von Tiroler Winzern parallel mit dem neuen NIR in Imst sowie vom Labor des Versuchszentrums Laimburg (Südtirol) untersucht und verglichen.
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Fotos (c) Thomas Böhm / Tiroler Weinbauverband
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- Zur Abgabe der Weine gibt es genormte 100 ml Fläschchen à 50 Cent samt Einmal-Verschluss und Aufklebern. Weiters ein Formular zur Einreichung – z.B. an Werktagen von 9 bis 12 Uhr beim Hofladen der Landwirtschaftlichen Lehranstalt in Imst, aber auch per Post. Getestet wird vorläufig jeweils montags, mittwochs und freitags ab ca. 13 Uhr.
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- Die Probenfläschchen haben, wie gesagt, einen beim Öffnen knackenden Einmalverschluss. Die Probenmenge von 100 ml ermöglicht vier Analysen – zwei werden jedenfalls durchgeführt, zwei weitere verbleiben zur Sicherheit für eine evt. nötige Wiederholung.
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- Die Weine werden in rot, weiß, Schaumwein, Cuvée sowie reinsortig im Eingabeformular unterschieden. Bei reinsortigen Weinen können so z.B. mit jeder Messung nach und nach Rebsorten-spezifische Daten speziell für Tiroler Weine gewonnen werden. Ich habe also alles sorgfältig ausgefüllt (der „Albin von der Friedhofsmauer“ rechts ist übrigens mein erster spontan und auf der Maische vergorene Orange-Wein).
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- Schon sind wir im Labor der LLA: Noch trübe Weine (weil sie z.B. noch mit aufgerührter Hefe gepflegt werden – Batonnage) kommen erst einmal zu Klärung in die Zentrifuge. Ein 50 Jahre altes Gerät kommt zu neuen Ehren.
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- So sieht ein Wein mit noch schwebender Hefe im Reagenzglas aus. Für die Analyse auf dem mit Gold beschichteten Sensor des NIR-Geräts muss er jedoch klar sein.
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- Für die Messmethode „Wein“ wurde das NIR Gerät in Imst mit Daten von 50 Tiroler Weinen gefüttert und kalibriert.
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- … im Gerät folgen diverse kontrollierte Prozesse (z.B. eine genormte Temperaturführung) bis zur Messung auf dem mit Gold beschichteten Sensor des NIR.
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- Voilà: Mein Rotwein Findus hat also 12,45 % Alkohol, einen vernachlässigbaren Anteil Methanol (dieser Analysewert ist vor allem für Schnapsbrenner relevant), weiters sehe ich hier ph-Wert und Gesamtsäure. In den nächsten Fenstern des Displays folgen noch u.a. das Verhältnis von Apfel-, Wein- und Milchsäure – womit ich z.b. sehe, ob ein BSA (biologischer Säureabbau) schon erfolgreich abgeschlossen, ist – sowie Restzuckergehalt, flüchtige Säure, SO2, Extrakt, Glycerin etc. Die Werte meines roten Findus sind also schon einmal recht cool und sehr interessant für mich.
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- Gregor Pfeifer bereitet die Proben für die Analyse vor – das ist handwerklich teils mit etwas Zeitaufwand verbunden.
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- Die zentrifugal schon grob geklärten Weine werden etwa zusätzlich noch durch einen keimfrei-Membranfilter gepresst.
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- Und – vor allem bei Weißweinen – muss vor der Messung auch die Kohlensäure ausgeschüttelt werden. Das kann bei den fruchtig frischen Tiroler Weinen etwas dauern. Deshalb hilft Ulrich Zeni (li.) hier mit. Ing. Ulrich Zeni ist Referent für Obstverarbeitung bei der lk Tirol, zudem als Winzer erfahren – und er hat das Imster NIR akribisch auf den derzeitigen Datenstand gebracht.
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- Tiroler Weine sind speziell – auch für dieses Gerät, wurde festgestellt. Das NIR war werksseitig natürlich auf Weine kalibriert, allerdings mit solchen z.B. aus der Toskana. Das „Terroir Tirol“ konnte nunmehr dank Zeni und der Kooperation mit der Laimburg erfolgreich in die NIR-Software eingepflegt werden. Damit kann künftig z.B. erkannt werden, ob ein mit „Tirol“ etikettierter Wein wirklich in Tirol gewachsen ist.
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- Ulrich Zeni (li.) und Gregor Pfeifer schütteln noch meine Weinproben. ich verabschiede mich. Kurz nachdem ich wieder zuhause bin, erhalte ich von Gregor schon ein Mail mit den für meine fünf Weine relevanten oenologischen Werten. Mit jeder einzelnen Analyse wird das neue NIR-Gerät in Imst perfekter für uns Tiroler Weinbauern. In sehr kurzer Zeit – im Idealfall binnen drei Stunden – wissen wir, wo unsere Weine kellertechnisch gerade stehen. Ein neues, tolles Tool für die qualitätsbewussten Tiroler Weinbauern. Das Jahr fängt gut an!